Christof Domenig
Das österreichische Unternehmen Wienerberger ist der weltweit größte Ziegelhersteller mit 260 Standorten in 26 Ländern in Europa, den USA und Kanada. In Frankreich, wo wir der größte österreichische Investor sind, erwirtschaften 1.100 Mitarbeiter einen Umsatz von 200 Millionen Euro.
Wie erfolgte ihr Eintritt auf den französischen Markt?
Kurz nachdem wir auf den deutschen Markt gegangen sind, haben wir uns 1995 für den Markteintritt in Frankreich entschieden. Unser Geschäft begann mit der Akquisition der Sturm-Gruppe. Später erfolgten weitere Übernahmen: 1996 die der Terca-Gruppe mit Werken in der Ile de France und im Norden sowie 2002 die eines Ziegelwerkes von Hanson in Nordfrankreich. 2003 und 2004 sind wir mit der Integration von Koramic in das Dachziegelsegment eingestiegen. Es gab in den letzten Jahren allerdings nicht nur Akquisitionen. Wienerberger hat in Frankreich seit 2000 insgesamt 200 Millionen Euro in den Werksneubau investiert. Heute sind wir an 12 Standorten präsent, zwei weitere Produktionsstätten werden derzeit gebaut. Unser Headquarter ist nach wie vor im Elsass, die Zweisprachigkeit in der Region birgt für uns viele Vorteile.
Viele österreiche Unternehmen orientieren sich nach Osteuropa, warum ist der französische Markt für sie wichtig?
Wir erwirtschaften 7% unseres Konzernumsatzes in Frankreich. Der französische Baumarkt ist der zweitgrößte in Europa, hier werden derzeit rund 400.000 Wohneinheiten pro Jahr gebaut. Hinzu kommt, dass Frankreich nach Irland das Land mit der größten Bevölkerungssteigerung in Europa ist. Da, wo die Einwohnerzahl zunimmt, wächst auch der Bedarf an Wohnungen. Der Markt ist also sehr dynamisch und bietet gute Entwicklungsperspektiven. Auch die Infrastruktur ist vorteilhaft. Das TGV-Netzt hat ganze Regionen wachgeküsst, einen besonderen Bauboom gibt es derzeit im Languedoc-Roussillon, in der Bretagne und den Pays de la Loire. Ein weiterer Aspekt der unser Geschäft positiv beeinflusst, ist der Beschluss der französischen Regierung, den Energieverbrauch in Frankreich zu senken (das berühmte Grenelle de l’Environnement). Ab 2012 müssen alle Wohnbauten den Niedrigenergiestandard erfüllen, auf den Baumarkt wird das erhebliche Auswirkungen haben. Denn anders als in anderen europäischen Ländern, wird die Wand in Frankreich zu 80% mit Beton gebaut und nur zu 20% mit Ton. In der EU wird jedoch durchschnittlich zu 50% aus Ton gebaut. Ton ist das wesentlich umweltfreundlichere und in Sachen Energieeffizienz vorteilhafterere Produkt. So isolieren Tonziegel zum Beispiel gegen Kälte und Hitze, sie bieten auch ein gesundes Raumklima.
Sie haben in Frankreich derzeit 12 Niederlassungen. Was steht hinter der starken Präsenz von Wienerberger?
Unser Ziel in Frankreich ist die Steigerung der Marktdurchrigung mit unseren Produkten. In unserer Branche ist es wichtig, vor Ort zu sein. Man kann nicht in China produzieren und dann nach Europa exportieren, schon aus Kostengründen ist das gar nicht möglich. Das Baugeschäft ist ein sehr regionales Geschäft, denn je nach Standort gibt es verschiedene Bautraditionen, denen die Produkte Rechnung tragen sollten.
Wienerberger
The third “Brazilian Investors’ Club” summit, organized by the IFA, was held at the prestigious Palais Brongniart on December 13, 2011.